Das Science-Fiction-Kino erzählt selten nur von der Zukunft. Das Genre entwirft vielmehr Szenarien, in denen gesellschaftliche Konflikte, Machtverhältnisse und politische Imaginationen verhandelt werden – und bietet damit ein ergiebiges Feld, um filmische Widerstandsnarrative zu untersuchen: Von Aufständen gegen totalitäre Regime (THX 1138, The Hunger Games) über dissidente Gemeinschaften im Kampf gegen technokratische Kontrolle (Equilibrium,Divergent) bis hin zu Figuren, die sich Überwachung, Kolonisierung, Ghettoisierung oder Entmenschlichung widersetzen (Blade Runner 2049, District 9, Elysium).
Rebellion im Science-Fiction-Film ist dabei meist mehr als bloße Gegenwehr. Sie erscheint zumeist als kollektive Praxis, die hegemoniale Ordnungen infrage stellt und alternative Zukunftsentwürfe verwirklichen will – häufig gerichtet gegen Systeme, die zwar vordergründig auf Fortschrittlichkeit, Effizienz und Stabilität beruhen, dabei aber Unterwerfung und Ausbeutung produzieren (Metropolis,Soylent Green, WALL·E).
Anhand ausgewählter Beispiele zeigt der Vortrag, welche Formen des Widerstands das Genre entwickelt hat: den heroischen Aufstand (Rogue One, V for Vendetta), die stille Sabotage (Brazil,), die Rückeroberung von Erinnerung oder Körperlichkeit (Total Recall, Mad Max: Fury Road), das Überleben am Rand des Systems (Children of Men). Dabei wird deutlich, dass Rebellion filmisch nicht nur über Handlung, sondern ebenso über Räume, Bildwelten und Emotionen erzählt wird – futuristische Stadtlandschaften, planetare Peripherien und Ruinen werden so zu Schauplätzen politischer Auseinandersetzung und Neuordnung.
Referent: Yves Steichen
Sprache: LU
Ort: CNA
In Partnerschaft mit: Science Fiction & Fantasy Society Luxembourg (SFFS)
Vortragsreihe Film & Politik – Résistance! Widerstand! Resistenz!
Die Vortragsreihe Film & Politik – Résistance! Widerstand! Resistenz! – widmet sich der vielschichtigen Idee des Widerstands aus filmischer Perspektive. Widerstand ist so alt wie die Macht selbst. Wo gesellschaftliche Normen, politische Systeme oder kulturelle Ordnungen Menschen einschränken oder unterdrücken, entsteht Widerspruch – leise oder laut, individuell oder kollektiv, spontan oder organisiert.
Doch wofür leistet man Widerstand? Für Freiheit? Für Demokratie und Menschenrechte? Für Selbstverwirklichung? Und was ist Widerstand? Er kann sich zum Beispiel in Widerrede, in Verweigerung oder im Nicht-Mitmachen äußern, in subtilen Gesten des Alltags, beim Wählen, aber auch in Protesten, bewaffneten Aufständen … und sogar im Akt des Filmemachens selbst.
Filme zeigen Widerstand oft als Akt der Courage – aber auch als einen Prozess voller Ambivalenzen und Widersprüche. Und Widerstand ist nicht nur ein historisches Phänomen, sondern ein hochaktuelles Thema in Gesellschaft und Politik, das dazu einlädt, über die eigene Verantwortung, Handlungsspielräume und Formen des Engagements nachzudenken.



